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Führung zur Wanderdüne in List auf Sylt

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Die Wanderdünen in List gehören auf Sylt mit zu einer der schönsten Landschaften. Nur mit einer exklusiven Führung lässt sich der Fuß der größten der drei Wanderdünen besuchen. Alle Informationen zu meiner Wanderung habe ich hier zusammengefasst.

Infos zu den Sylter Wanderdünen

Die drei Wanderdünen in List sind die einzigen verbliebenen Wanderdünen in Deutschland. Vor dem 18. Jahrhunder waren es einmal sechs Wanderdünen gewesen. Sie befinden sich im Naturschutzgebiet Nord-Sylt und dürfen nicht betreten werden. Das ca. 1796 Hektar große Naturschutzgebiet war das erste auf der Insel Sylt. Die Wanderdünen bewegen sich gen Osten. Im Jahr wachsen sie um die 3,5 m. Jede Woche wird durch Mitarbeiter des Erlebniszentrums Naturgewalten an drei festen Stellen ein Foto von der Wanderdüne gemacht. Damit entsteht eine Zeitrafferaufnahme über die Veränderung der Wanderdüne, welche in den Ausstellungsräumen der Naturgewalten am Lister Hafen zu sehen ist.

Panorama der Sylter Wanderdüne

Panorama der Sylter Wanderdüne

Auf Erkundungstour mit einer Biologin

Die Biologin Tine von dem Erlebniszentrum Naturgewalten in List wird mich und 20 weitere Teilnehmer an diesem Morgen im September zum Fuß der größten Wanderdüne führen. Auf unserem Weg werden wir viele kleine Stopps einlegen, um Wissenswertes rund um List, den Wanderdünen und deren Bewohnern erfahren. Von der Kurverwaltung List beginnen wir um 10 Uhr unsere gemeinsame Wanderung.

Von Holztreppen und Schafswegen

Am Ortsausgang List in Richtung Ellenbogen geht es die Holztreppen hinauf zur Aussichtsplattform Jensmettenberg. Von hier oben erstreckt sich das Naturschutzgebiet Nord-Sylt und der Horizont wird von den Wanderdünen gesäumt. Die Wanderdünen scheinen unendlich weit weg zu sein.

Tine erklärt, welche Arten von Dünen es gibt und wie Weißdünen, Graudünen und Braundünen entstehen. Zu jeder Dünenart hat sie eine Petrischale dabei und vergleicht diese mit den Dünen am Wegesrand. Auf den grauen knarzenden Holztreppen geht es durch das Dünental. Ende September ist die Zeit der Heideblüte leider schon vorbei. Im August erstahlen die Dünen und Täler in einem kräftigen Lilaton und überall summen und brummen Hummeln und Bienen. Wir laufen in Richtung Jugendherberge und bis jetzt darf jeder Besucher diese Wege betreten. Hinter der Jugendherberge, neben einem rostigen Stacheldrahtzaun und für Spaziergänger sehr unscheinbar beginnt die Schutzzone, welche nur mit Genehmigung betreten werden darf. Wir nutzen einen alten Schafsweg, der sich durch das buschige Heidekraut schlängelt. Die kuscheligen Dünenschafe beobachten uns aus nur wenige Meter Entfernung.

Fuß vor Fuß setzen wir auf den sandigen Boden und teilweise muss ich darauf achten beim Laufen und Fotografieren nicht über eine Wurzel zu stolpern. Wie auf einer Perlenschnur aufgereiht wandern die Teilnehmer durch die hügelige Dünenlandschaft. „Was hören wir?“, fragt Tine. Nichts! Herrlich. Nur die Vögel piepen und zwischtern in der Heide und aus der Ferne rauscht das Meer an den Sylter Stränden. Alle Teilnehmer genießen sichtlich diesen Augenblick.

Sylter Wanderdüne in der Heidelandschaft

Sylter Wanderdüne in der Heidelandschaft

Auf Holztreppen durch das Dünental in List

Auf Holztreppen durch das Dünental in List

Die Schafe erwarten uns im NSG Nord-Sylt

Die Schafe erwarten uns im NSG Nord-Sylt

Auf einem alten Schafsweg geht es zur Wanderdüne

Auf einem alten Schafsweg geht es zur Wanderdüne

Am Fuße der Wanderdüne

Tine geht vorran und steuert auf die vor uns liegende Wanderdüne zu. Der gelblich weiße Sand strahlt selbst bei bedecktem Himmel. Kaum ein Lüftchen weht heute und der grüne Strandhafer raschelt nicht im Wind. Komisch, jetzt wo ich direkt vor der Düne stehe scheint sie nicht mehr so riesig, wie aus der Ferne. Beeindruckend ist sie aber trotzdem. Wir setzen uns in den weichen Sand und schauen zur Düne hoch und sehen viele Spuren der Dünenbewohner. Besonders eindeutig ist die Fährte von einem Fuchs und den der vielen Kaninchen. Im Listland gibt es einen weißen Fuchs. Vor einigen Wochen hatte Tine ihn bei einer Führung durch die Dünen gesehen und konnte ihren Augen kaum glauben. Im Sand sitzend erfahren wir viel wissenswertes zur Wanderdüne, wie lang etwa die Wurzeln vom Strandhafer sind.

Auf dem Weg zur Wanderdüne

Auf dem Weg zur Wanderdüne

Am Fuße der Wanderdüne

Am Fuße der Wanderdüne

Wanderdüne auf Sylt

Wanderdüne auf Sylt

Pflanzenwelt in der Düne

Durch Tine lerne ich und alle Teilnehmer, welche unterschiedlichen Gewächse an und auf der Düne wachsen. Kaum zu glauben, wie vielfältig die Flora in dieser einzigartigen Landschaft ist.

Strandhafer

Am bekanntesten ist der Strandhafer. Er bringt eine Düne zum stehen und hindert sie am Wandern. Eine einzige Pflanze hat eine Wurzellänge von 12 m und ein Wurzelgeflecht von sage und schreibe 35 km!!! Auch das Silbergras ist eine erstaunliche Pflanze bis zu 60°C Sandtemperatur kann es ertragen und leitet aufgrund der Blattform Tau- und Regenwasser zu den Wurzeln.

Heidekraut und Sonnentau

Heidekraut ist auch nicht gleich Heidekraut. Am häufigsten vertreten ist die Besenheide. Die Dürre aus dem letzten Jahr zeigt, warum das Heidekraut seinen Namen verdankt. Die vertrocknete Besenheide ist ein festes Geflecht und wurde früher gesammelt zu Besen gebunden. In den Dünentälern, wo sich mehr Regenwasser hält wächst die Glockenheide. Sie ist immer ein Zeichen für feuchte Böden.

Feuchte Böden in Moor- und Heidelandschaften mag auch der rundblättrige Sonnentau. Wir mussten ganz genau hinschauen, um die ungefähr 5 bis 20 cm hohe fleischfressende Pflanze zu entdecken.

Sylter Heckenrose und Dünenrose

Eine der beliebtesten und verbreitetsten Pflanzen ist die Sylter Heckenrose. Heimisch ist sie allerdings nicht auf der Insel. Ursprünglich stammt sie von der russischen Halbinsel Kamtschatka. Aufgrund ihrer Blätterform wird sie auch Kartoffelrose genannt. Wiederum andere nennen sie Bunkerrose, da sie zur Tarnung von Bunker verwendet wurde. Die heimische Dünenrose hat es gegen sie schwer und auf unserem Weg zur Wanderdüne mussten wir sehr nach ihr suchen. Sie hat im Vergleich zur Sylter Heckenrose keine roten Hagebutten, sondern schwarze. Ihre Blüten sind im Sommer weiß und nicht violett.

Krähenbeere

Eine weiteres Heidegewächs, welche sich in der Heidelandschaft rund um die Sylter Wanderdüne befindet ist die sogenannte Krähenbeere. Wie der Name es schon erahnen lässt, mögen Krähen und auch andere Vögel die Früchte sehr. Auch wenn die Vögel davon Durchfall bekommen. Die Pflanze nutzt dieses Verdauungsproblem, damit sie sich auf diese Art bestmöglich ausbreiten kann. Wir kennen die Krähenbeere auch nur zu gut: es sind die lilafarbenen Klekse auf den Autos.

Bäume in der Dünenlandschaft

Neben der schwedischen Mehlbeere ist die Kriechweide der einzige Baum in dieser wundersamen Dünen- und Heidelandschaft.
Wie ein richtiger Baum wirkt die an Büsche ähnelnde Pflanze nicht. Interessanterweise verfügt sie über keinen oberirdischen Stamm. An der Oberfläche sind nur Zweige von bis zu 1 m Länge zu erkennen.

die Hagebutten der seltenen Dünenrose sind schwarz

die Hagebutten der seltenen Dünenrose sind schwarz

Kriechweide und schwedische Mehlbeere im Listland

Kriechweide und schwedische Mehlbeere im Listland

Strandhafer am Fuße der Wanderdüne

Strandhafer am Fuße der Wanderdüne

Tierwelt in der Düne

Schafe

Die wohl bekanntesten Bewohner in der Dünen- und Heidelandschaft sind mit Sicherheit die Schafe. Ungefähr 300 Schafe leben  im Listland und können sich frei bewegen. Auf den Lister Straßen haben sie auch immer Vorfahrt und überall gibt es Hinweisschilder. Die kuscheligen Bewohner sind natürlich domestiziert und sorgen dafür, dass die Heide stets verjüngt wird. Laut Tine und dem Erlebniszentrum reichen die Schafe nicht aus, um den gewollten Zustand zu erzielen. Es dürften von ihrer Seite ruhig mehr Schafe als Landschaftsgärtner eingesetzt werden.

Spitzmäuse

Zwischen Heidekraut und Silbergras sehen wir ein kleines Loch. Es ist der Bau der Spitzmaus. Bei der Spitzmaus handelt es sich tatsächlich nicht um ein Nagetier, sie ernährt sich lieber von Insekten.

Brombeerspinner

Im September sehe ich fast täglich überall auf der Insel schwarz-flauschige Raupen am Wegesrand. Jetzt weiß ich auch endlich, um was für eine Gattung es sich handelt. Es sind die Raupen des Brombeerspinners, die uns auch auf unserer Wanderung auffallen. Die dämmerungs- und nachtaktiven Falter sind rostbraun und sind relartiv häufig zu finden.

Kreuzkröten

Über die Sichtung von Kreuzkröten freut sich die Biologin Tine besonders. Die Kreuzkröte bevorzugt den lockeren und sandigen Heideboden an der Düne und die Mulden in den Dünentälern nutzt sie als Laichplatz. In der Laichzeit im April und Mai sind die Rufe der Kreuzkröte über 2 km zu hören. Das ist ein Chor-Konzert, welches ich mir im nächsten Jahr bestimmt nicht entgehen lassen werde.

Vögel in der Dünenlandschaft

Augen und Ohren sollte jeder Spaziergänger offen halten bei einer bewussten Wanderung durch die Dünenlandschaft. Ansonsten wird der Falke im Rüttelflug schnell übersehen. Vielleicht hat er eine der Spitzmäuse anvisiert? Nicht nur mit einem geschulten Biologen lassen sich weitere gefiederte Bewohner ausmachen: Wiesenpieper und Feldlerchen trillern gern zu der Jahreszeit in der Heidelandschaft. Mit etwas Glück lässt sich sogar die „schwarze Sonne“ im Frühjahr und Herbst hier beobachten. Bei diesem Begriff handelt es sich um riesige Staren-Schwärme, welche gewaltige Formationen an den Himmel malen, vor allem in den Abendstunden. Die Flugformationen kommen nicht von ungefähr, sondern um einen ihrer vielen Feinden, wie der Rohrweihe zu entwischen.

Dünenschafe im Listland

Dünenschafe im Listland

Raupe des Brombeerspinners

Raupe des Brombeerspinners

Sehenswertes auf dem Weg zur Wanderdüne

Von der Wanderdüne geht es durch die hügelige Dünenlandschaft auf dem gleichen Schafsweg wieder zurück in Richtung List. Tine gibt uns für den Rückweg noch zwei Tipps mit auf dem Weg, welche sehenswert sind.

Rückweg von der Wanderdüne

Rückweg von der Wanderdüne

Mövenbergstraße

Die Häuser in der Mövenbergstraße aus dem Jahr 1938 haben mehrere Besonderheiten, um gegen die Witterung zu trotzen. Die zwei Häuser mit einer Gesamtlänge von 450 m sind Kulturdenkmale in List. Ursprünglich war es ein Haus mit einer Länge von 550 m Länge. Die 100 m zwischen den beiden Häusern führt ein Weg zum Dünenfriedhof. Die Länge des Hauses diente als Windschutz. Auch die Form des Daches lässt den Wind nach oben ableiten. In den eingeschossigen Zwei-Familenhäusern mit verbindeden Wirtschaftsanbau lebten die Offiziere der Luftwaffe mit ihren Familien. Heute befinden sich in der Mövenbergstraße vor allem Ferienwohnungen. Viele der Eingänge sind sehr liebevoll bepflanzt und individuell dekoriert.

wunderschöner Vorgarten in der Mövenbergstraße in List

wunderschöner Vorgarten in der Mövenbergstraße in List

markante Dächer in der Mövenbergstraße

markante Dächer in der Mövenbergstraße

maritime Details auf Backstein

maritime Details auf Backstein

Der Lister Dünenfriedhof

Der parkähnliche Friedhof, welcher zwischen den zwei langen Häusern in der Mövenbergstraße zu finden ist, lädt Besucher und Ruhesuchende ein. Am Fuß der Dünen zu verweilen und dabei in die Sylter und Lister Geschichte eintauchen. Im älteren Teil des Friedhofs finden sich noch wenige Grabsteine aus den 1930er Jahren sowie das Ehrenmahl. Auch die Grabstätte der Familie „von Gronau“ befindet sich hier. Wolfgang von Gronau war ein Luftfahrtpionier und ist Anfang der 1930er Jahre Nonstop mit einem Wasserflugzeug von List nach New York geflogen. Zwei Jahre später umrundete er von List die Erde. Für die damalige Zeit war es eine herausrangende fliegerische Leistung, die ihm die Ehrenbürgerschaft von List einbrachte. Am Lister Hafen befindet sich ein Gedenkstein und erinnert an seine Heldentaten.

Dünenfriedhof in List

Dünenfriedhof in List

Tipps zur Führung zur Wanderdüne

Die exklusive Exkursion zum Fuß der Wanderdüne auf Sylt findet ungefähr alle 2 bis 3 Wochen im Zeitraum von April bis Oktober statt. Die Teilnehmeranzahl ist stark begrenzt. Ein Ticket kostet 19 € pro Person (Stand September 2019) und kann über die Sylt Marketing Seite oder über die Homepage von der Kurverwaltung List im Veranstaltungsbereich direkt gebucht und ausgedruckt werden. Natürlich lässt sich ein Ticket auch an allen bekannten Vorverkaufsstellen auf der Insel käuflich erwerben, wie zum Beispiel in den Kurverwaltungen und Tourismus-Services der jeweiligen Inselorte. Folgende Unternehmen (eine kleine Auswahl) bieten ebenfalls einen Vorverkauf an:

  • Sylter Rundschau, Andreas-Dirks-Straße 14, Westerland
  • H.B. Jensen, Maybachstraße 10, Westerland
  • Sylt-Quelle, Hafenstraße 1, Rantum
  • Buchhaus Voss, Friedrichstraße 27, Westerland
  • Sylter Bank, Bi Miiren 17, Morsum
  • Erlebniszentrum Naturgewalten, Hafenstraße 37, List
  • Adler Pavilion, Am Hafen, List

Die Wanderung dauert ungefähr 3 Stunden. Beginn ist um 10 Uhr an der Lister Kurverwaltung. Hunde dürfen nicht mitgenommen werden. Festes Schuhwerk und zur Witterung passende Kleidung ist empfehlenswert.

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