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Biikebrennen auf Sylt

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Jedes Jahr am 21. Februar zelebrieren die Sylter das traditionelle Biikebrennen. Der beliebte Brauch ist mittlerweile auch bei vielen Touristen ein Grund um an die Nordsee zu reisen. Gespickt mit echtem Sylter Insiderwissen erfährst du hier alles rund ums Biikebrennen.

Die Geschichte hinter dem Biikebrennen

Die Biike ist der altfriesische Begriff für Feuerzeichen. Sie brennen nicht nur in den Sylter Gemeinden, sondern auf allen Nordfriesischen Inseln, Halligen sowie auf dem Nordfriesischen Festland.
Das Biikebrennen auf der Insel Sylt hat eine lange Tradition, welche bis in das 17. und 18. Jahrhundert zurückreicht. Laut Erzählungen zündeten die Familien und Freunde der nordfriesischen Seemänner Leuchtbalken an den Stränden an, um von ihnen Abschied zu nehmen. Die lodernden Flammen sollten den Walfängern, die bis November in See stachen, noch lange den Weg im dunklen Meer weisen.
Eine andere Legende besagt, dass das Biikefeuer die Seefahrer signalisieren sollte, dass die Frauen auf den Inseln Hilfe bei der Arbeit benötigten. Sie riefen auf diese Weise ihre Männer zurück.
Und dann hält sich noch hartnäckig das Gerücht, dass mit dem Biikebrennen der Winter verabschiedet wird.

Biikeplatz

Biikeplatz

Die Wochen und Tage vor der Biike

Bereits im Januar beginnt ein jeder Sylter zu überlegen, was er dazu beitragen kann, dass die Biike in seiner Gemeinde die Größte wird. So kann an bestimmten Abgabetagen zum Beispiel der ausgediente Weihnachtsbaum zum Biikeplatz gebracht werden. Es ist also nichts ungewöhnliches, wenn im Januar/Februar die trockenen Tannenbäume durch die Straßen getragen werden und die Sylter sich gegenseitig dabei mit einem kurzen „Moin“ grüßen.

Biikebrennen in Tinnum an der Tinnumburg

Biikebrennen in Tinnum an der Tinnumburg

Je höher nun der angesammelte Haufen anwächst und der 21. Februar naht, desto interessanter wird es nun für die Dorfjugend der jeweiligen Gemeinden. Irgendwann muss nämlich Tag wie Nacht Wache gehalten werden, meist von einem Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr. Dieser wird sogar vom Schulunterricht dafür befreit. Denn es ist schon vorgekommen, dass in der Nacht vor dem 21. Februar die Biike einer Gemeinde lodernd brannte, weil diese von einem aus der Nachbargemeinde still und heimlich in einem unbeobachteten Moment angesteckt wurde.

Fackelzug zur Biike

Fackelzug zur Biike

Kulinarisches Biike

Februar ist nicht der gemütlichste Monat im Jahr. Da gehört schon auf dem Fackelumzug vom Gemeindehaus zur Biike eine Thermoskanne mit heißen Kakao, Tee oder Glühwein in die Manteltasche oder in den Rucksack. Der ein oder anderen Nordfriese schmeckt sein Heißgetränk auch mit einen guten Schluck geele Köm ab.
Wenn eins zusammen gehört, dann ist es Biikebrennen und Grünkohl. Biike ist nicht ohne Grund von der UNESCO zum Kulturerbe erklärt worden. Wer bei Wind und Wetter an der Biike ausharrt bis endlich die Tonne bzw. der Pidder (die Strohpuppe) ins Feuer fällt, der braucht was ordentliches auf dem Teller. So ziemlich jedes Restaurant auf der Insel bietet ihn dann an: Grünkohl mit Schweinebacke, Kassler, Kochwurst und Salzkartoffeln wahlweise auch mit karamellisierten Kartoffeln.

Grünkohlessen zur Biike in der Alten Friesenstube in Westerland

Grünkohlessen zur Biike in der Alten Friesenstube in Westerland

Meine Tipps für die Sylter Biike

Auf Sylt brennen auch in diesem Jahr wieder neun Biiken. Aber bevor es los geht, sollten unbedingt folgende Punkte bedacht werden:

  • Biikebrennen ist keine Modenschau! Am besten trägst du eine alte Jacke oder Mantel, damit man nachher nicht traurig bist. Windböen oder teilweise unbedarfte Fackelträger können schnell das ein oder andere Brandloch in den Stoff fabrizieren.
  • Auch an vernünftige Schuhe, mit gutem Profil, solltet du denken. Je nach Witterung kann es um die Biike sehr matschig werden, wenn es vorher geregnet hat und die Frontlader ihre Spuren im Boden hinterlassen haben, als sie das Stroh über der Biike verteilten.
  • Bevor es zum Fackelzug und zum Biikebrennen geht, schließe unbedingt alle Fenster in deiner Unterkunft. Ansonsten kann es sein, dass es in deiner Wohnung genauso duftet wie auf der gesamten Insel. So richtig schön verräuchert und verkohlt.
  • Wer nicht Textsicher ist, hat unbedingt einen Spickzettel zur Sylter Hymne Üüs Sölring Lön in der Jackentasche dabei. Ein unglaubliches Zusammenhörigkeitsgefühl entsteht, wenn alle aus voller Inbrunst mitsingen.
  • Auch wenn mich die hier mitlesenden Sylter dafür hassen werden, ich würde immer zum Biikebrennen in eine der kleinen Gemeinden wie Archsum, Morsum oder Tinnum gehen. Hier finden sich viele Sylter Familien ein und es ist eine fast private Atmosphäre, wenn gemeinsam die Biike mit dem Ruf „Tjen di Biiki ön!“ entzündet wird.
  • Einen persönlichen Erfahrungsbericht zum Biikebrennen hat auch Sabine von Fratuschi geschrieben

    Bis die Tonne fällt. Vorher geht keiner in die warme Stuv!

    Bis die Tonne fällt. Vorher geht keiner in die warme Stuv!

Der Tag danach – Petritag

Der Petritag ist immer am Tag nach dem Biikebrennen auf Sylt und fällt damit auf den 22. Februar. Der Ursprung des Tages liegt auch noch in der Zeit des Walfangs. Früher wurden noch offene Streitigkeiten an diesem Tag verhandelt oder beigelegt, bevor es dann auf´s Meer hinaus ging.
Heute findet am Petritag der sogenannte Petritanz statt, welche oft in den Gemeindezentren organisiert werden. Die Schulkinder haben schulfrei und die Eltern und Großeltern stecken den Kindern den ein oder anderen Petritag-Taler zum Feiern zu.

Biikeplatz in Rantum am Tag danach

Biikeplatz in Rantum am Tag danach

Hast du das Biikebrennen bereits auf Sylt besucht? Oder kannst du dir Sylt im Winter so gar nicht vorstellen?

Wir freuen uns auf einen Kommentar von dir!

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