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Reisen damals und heute: unsere ersten gemeinsamen Reisen als Teenager in den 90er Jahren

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Als ich von der Blogparade von Barbara hörte, wusste ich sofort: jetzt ist es an der Zeit ganz tief in die alten Fotoalben abzutauchen, um von unseren ersten gemeinsamen Reisen in den 1990er Jahren zu berichten. Unsere Klassenfahrten ins Ausland in unserer Schulzeit waren die ersten Meilensteine für unsere zukünftige Reisefreude.

Wie war das Reisen früher?

Wie beide gehören zur Generation der Wendekinder. In der ehemaligen DDR geboren und aufgewachsen, eröffneten sich mit dem Fall der Mauer ganz andere Möglichkeiten und das auch auf den Bezug des Reisens.

Reisen vor dem Mauerfall

Vor 1989 sind wir mit unseren Familien in der Regel in sogenannte FDGB-Heime (Feriendienst des Freien Deutschen Gewerkschaftbundes) an die Ostsee oder ins Erzgebirge oder in den Thüringer Wald gefahren. Meine Familie, bestehend aus meinen Eltern und meinem 4 Jahre jüngeren Bruder verreisten im Trabant mit Anhänger. Mit maximal 90 km/h ging es Richtung Ostseeküste. Für uns war es eine halbe Weltreise. Im Reisegepäck hatte mein Papa immer die wichtigsten Ersatzteile für den Trabbi. Das etwas am Auto kaputt gehen konnte war mit die größte Sorge aber es ging zum Glück immer alles gut. Mein kleiner Bruder und ich saßen auf der Rücksitzbank und fieberten dem Ostseestrand entgegen. Anschnallgurte? Gab es hinten nicht! Kindersitze? Noch nie was davon gehört!

An Reisen ins Ausland war nicht zu denken. Aber was man nicht kennt vermisst man nicht, vor allem als Kind und so waren die Urlaube auf Rügen, Usedom oder in Oberhof schöne Erlebnisse der Kindheit.

Reisen nach dem Mauerfall

Nach dem Mauerfall ging es in die angrenzenden Länder: ein Ferienhaus in Dänemark oder in Holland. Mittlerweile im VW und nicht mehr im Trabant. Auch der Rest der Republik war für uns alle Neuland und so sind wir als Familie nach Cuxhaven an die Nordsee, in die Lüneburger Heide mit seinen vielen Freizeitparks oder in den Schwarzwald gefahren. Vom Schwarzwald wurde auch die Grenze nach Frankreich für einen Tagestrip nach Strasburg überquert. Vom Elbsandsteingebirge machten wir Tagesausflüge nach Tschechien oder Coburg. Von Rügen ging es mit dem Schiff auf die dänische Insel Bornholm für einen Tag oder mit der Fähre ins schwedische Trelleborg.

Flugreisen oder Pauschalreisen waren für uns Fremdwörter. Die meisten Ferienhäuser oder -wohnungen fanden meine Eltern in der Regionalzeitung als daumengroße Annonce. An ein Besuch im Reisebüro kann ich mich nicht erinnern.

Ab Mitte der 1990er Jahre hat sich unser Radius, was Auslandsreisen betrifft deutlich vergrößert. Die jährliche Klassenfahrt verhalf uns an Orte, wo wir auch mit unseren Eltern noch nicht waren. Unsere Klassenlehrer schlugen uns auch immer Ziele vor, wo wir alle nur ins Schwärmen kommen konnten. Aller Wahrscheinlichkeit waren unsere Klassenlehrer selbst noch nie an diesen Orten gewesen.

Unsere Klassenfahrten ins Ausland

Der Höhepunkt eines jeden Schuljahres waren für uns ganz klar die Klassenfahrten. Ab der 8. Klasse ging es bis zum Abitur jedes Jahr ins Ausland. Als eine der Vorbereitungen vor den großen Reisen war für mich immer das Geld umtauschen mit meinem Papa in der Sparkasse. Was für ein Highlight. Die fremden Münzen und Scheine rochen breits nach großer weiter Welt. Die Umrechnungstabelle habe ich auswendig gelernt. Ich hatte auch immer einige Reiseschecks dabei, die ich vor Ort in den Banken oder Wechselstuben umtauschte.

Harrachov – Tschechien

Mit 14 Jahren ging unsere erste Klassenfahrt außerhalb von Deutschland ins Riesengebirge. Wir waren beide in der 8. Klasse und im Frühling 1995 ging es mit dem Reisebus ins Wintersportgebiet von Harrachov. Von Eberswalde sind es ungefähr 380 km. Wir wohnten in einer Jugendherberge an einem Berghang, wo hinter dem Haus noch Schnee lag. Mit unseren Straßenschuhen versuchten wir durch den alten und vereisten Schnee zu gelangen. Vor allem beim Abstieg haben wir uns fast die Haxen gebrochen oder uns zumindest einen nassen Hosenboden geholt. Bei der Wanderung zum Mumlava Wasserfall gab es für den ein oder anderen mit Sicherheit nasse Füße. Natürlich sind wir am Ufer auf die Granitblöcke geklettert.

Einer der Höhepunkte auf dieser Klassenfahrt war ein Tagesausflug nach Prag. Ich kann mich noch an die astronomische Uhr am Prager Rathaus erinnern und an die Karlsbrücke mit den vielen Künstlern und Händlern.

Ich habe zu der Zeit selbst noch keine Fotos gemacht. Die Bilder von der Reise sind entweder welche die meine Klassenlehrerin oder Mitschüler gemacht haben. Und so wurden nach der Klassenfahrt fleißig Abzüge nachbestellt. Das Auswahlkriterium war in der Regel so: Bin ich auf dem Foto zu erkennen? Dann bestelle ich es nach! Es gab nur wenige Fotos, wo die Region, Landschaft oder eine Sehenswürdigkeit abgebildet war.

Sind wir nach Harrachov zurückgekehrt?

Bis heute bin ich nicht wieder in dieser Gegend gewesen. Auch Prag habe ich keinen zweiten Besuch abgestattet. Warum, kann ich gar nicht sagen. Vielleicht gab es in den Jahren danach einfach so viele andere Ecken zu erkunden. Aber Anja war im Sommer 2015 in Prag, also über 20 Jahre nach unserer Klassenfahrt. Für sie war es wie eine kleine Reise in die Vergangenheit.

Harrachov im Frühling 1995

Harrachov im Frühling 1995

London – England

Im März 1996 war es endlich soweit, wir fuhren in die Weltmetropole London. Ich weiß noch, wie aufgeregt wir alle waren. Mit unserer Parallelklasse ging es mit dem Reisebus zuerst bis ins französische Calais und von dort setzten mit der Fähre über nach Dover.

Während unseres Aufenthaltes in London wohnten wir in einem Hotel im Stadtteil Elephant and Castle. Von hier unternahmen wir als geschlossene Klasse Ausflüge zu den typischen Londoner Sehenswürdigkeiten, wie zur Wachablösung am Buckingham Palace, Big Ben, Tower Bridge mit Besuch im Tower von London. Aber auch das London Dungeon und Madame Tussauds standen auf dem Programm. Am aufregendsten waren immer die Zeiten, wo wir eigenständig unterwegs sein durften. Ich weiß noch, als wäre es gestern, wie ich aus der London Underground am Piccadilly Circus ausstieg und auf die berühmten Leuchtreklameschilder starrte. Es fühlte sich so unglaublich an, dass ich es erst viel später realisieren konnte.

In London konnten wir auch endlich unsere ersten Fremdsprachenkenntnisse ausprobieren. Auch das weiß ich noch, als wäre es erst gestern gewesen: ich wurde zum „nach dem Weg fragen“ immer vorgeschickt! Unsere Mission war es das Hard Rock Café zu finden und meine ersten Englischkenntnisse in freier Wildbahn brachten uns tatsächlich zum Ziel. Unser Taschengeld verringerte sich erheblich, als wir uns eines der beliebten T-Shirts kauften. Aber ich trug meins auch bis es auseinanderfiel.

Haben wir London wieder besucht?

Ja, sogar mehrmals ging es für mich in die Hauptstadt von England. Nach genau 10 Jahren im Herbst 2006 bin ich mit einer Klassenkameradin aus der Parallelklasse in die Fußabdrücke der damaligen Klassenfahrt gestapft. Allerdings sind wir geflogen. Für sie war es der erste Flug und sie war tierisch nervös. Verrückterweise flogen wir mit der Lufthansamaschine „Eberswalde“. Ich fand, es war ein gutes Omen, als wir das Stadtwappen unseres Heimatortes beim Betreten der Boing 737 sahen.

2007 ging es im September erneut nach London. Mein Freund schenkte mir Theaterkarten für das Stück „in celebration“ mit Orlando Bloom in der Hauptrolle!!!!!!!! Sein Autogramm hüte ich noch heute wie die Kronjuwelen der Queen.

2012 war der letzte Besuch in London und dann auch nur sehr kurz. Der Grund war diesmal ein Konzert zum 50. Jübiläum der Rolling Stones.

Anja war seit 1996 nicht mehr in der Innenstadt von London gewesen, dafür auf den Londoner Flughäfen, unter anderem auf den Weg nach Brighton.

Der Tower von London im März 1996

Der Tower von London im März 1996

Costa Dorada – Spanien

Im Juni 1997 ging es auf große Abschlussklassenfahrt. Wir beendeten die 10. Klasse und nach den Sommerferien ging es für einige in unserer Klasse in die Berufsausbildung. Für uns hieß es dann: Abitur! Aber vorher fuhren wir noch gemeinsam an die spanische Küste nach Torredembarra an die Costa Dorada. Mit einem Doppeldeckerreisebus starteten wir wieder in Eberswalde und sammelten eine weitere Klasse in Hennef bei Köln ein. Nach einer Panne, über 2150 km  und 34 Stunden Busfahrt erreichten wir das Mittelmeer. Wir wohnten in einem Appartmenthaus mit mehreren Etagen. Vom Balkon im 4. Stock konnten wir sogar das Mittelmeer sehen. Für mich und für viele meiner Klassenkameraden auch, war es das erste Mal am Mittelmeer. Und wir sahen zum ersten Mal Palmen. Wir waren ganz verrückt nach Palmen. An einem frühen Abend liehen wir uns Inlineskates aus und fuhren unter Palmen die gesamte Strandpromenade ab. Das war ein großartiges Gefühl.

Höhepunkt unserer Reise war die Tagesfahrt nach Barcelona. In dem straffen Programm besuchten wir das Stadion und das Museum vom FC Barcelona. Wir spazierten an der weltberühmten Kirche Sagrada Familia vorbei und machten eine Hafenrundfahrt. Eine Stippvisite auf der Las Ramblas durfte natürlich auch nicht fehlen.

Haben wir die Costa Dorada erneut besucht?

Anja hat im Jahr 2012 ihre langjährige Brieffreundin für eine Woche in Barcelona besucht. Während ihres Aufenthaltes lernte sie die Stadt auch in den Augen einer Einheimischen kennen. Tatsächlich machten sie zusammen sogar einen Abstecher an die Costa Dorada.

Inline skaten auf der Strandpromenade von Torredembarra

Inline skaten auf der Strandpromenade von Torredembarra

Sommerferien im Thüringer Wald

Nach Spanien sind wir in den großen Schulferien, diesmal mit der Bahn, zu Anjas Großeltern nach Gotha gereist. Ihr Opa hat sich viel Zeit genommen und uns die komplette Region gezeigt. Unsere Ausflüge nach Erfurt, ins Goethe Haus in Weimar aber auch der Besuch im Konzentrationslager Buchenwald sind bis heute bleibende Erinnerungen. In den zwei Wochen wanderten wir auf dem Rennsteig und schossen auf der Sommerrodelbahn durch den Thüringer Wald.

Sommerrodelbahn im Thüringer Wald

Sommerrodelbahn im Thüringer Wald

Cannes – Frankreich

Im ersten Jahr im Abitur gab es zwar neue Klassenkameraden und neue Lehrer aber die fernen Ziele unserer Klassenfahrten sind, zum Glück, geblieben. Im April 1998 ging es wieder mit dem Reisebus ans Mittelmeer, genauer gesagt an die Côte d´Azur nach Cannes. Die Strecke von 1500 km dauerte fast 24 Stunden. Wir wohnten in einem kleinen 3-Sterne-Hotel mit Küchenzeile auf den Zimmern, welches sehr zentral in einer Nebenstraße lag. Es war nicht weit zum berühmten Boulevard de la Croisette von Cannes. Endlich wieder Palmen und Mittelmeerflair. Die mondäne Region mit seinen Spitzenhotels, teuren Autos und dem Yachthafen haben uns sehr beeindruckt. Es fühlte sich an wie in einem Film.

Monte Carlo

All das wurde mit der Tagestour nach Monaco getoppt! In Monte Carlo durften wir wieder auf eigne Faust die Gegend unsicher machen. Ein Monat vor dem Großen Preis von Monte Carlo der Formel Eins konnten wir die ersten Aufbauarbeiten und Tribünen erkennen. Es war möglich durch die Boxengasse zu laufen, was wir uns nicht nehmen ließen. Ich kann mich noch erinnern, dass ich es nicht einfach fand mich in der Stadt zu orientieren. Ohne Französischkenntnisse und einer kleinen Straßenkarte suchten wir den Weg zum Hafen durch kleine hübsche Gassen und Parks. Wir staunten über Zitronenbäume und die hohe Anzahl an roter Ferrari. Und im Hafen lagen unfassbargroße Yachten. Straßen in Hafennähe zu überqueren war nicht einfach, sie hatten Leitplanken, da sie mit zur Rennstrecke gehörten. Wir wollten gar nicht mehr weg von hier aber irgendwann mussten wir zurück und den Bus finden. Wieder einmal waren wir die letzten die im Bus Platz nahmen. Über die wunderschöne Küstenstraße ging es durch Nizza zurück nach Cannes.

An die französische Küche haben wir uns nicht gewagt, dafür war für uns Teenager die Speisekarte vom Planet Hollywood Cannes verlockender. Außerdem gab es vom Planet Hollywood Cannes auch ein T-Shirt käuflich zu erwerben. Auch versuchten wir auf eigne Faust ins Casino von Cannes zu gelangen aber wir waren beide noch 17 und am Eingang wurde kein Auge zugedrückt.

Der Besuch in Grasse in der Galimard Parfumerie hat bei mir bis heute bleibende Erinnerungen hinterlassen. Im Werksverkauf erstand ich 1/4 Liter CK one. Bis heute erinnert mich der Geruch an die Zeit aber ich kann den Duft seit dem ich die Flasche aufgebraucht habe nicht mehr tragen.

Waren wir ein zweites Mal in Cannes und Monaco?

Leider nein, obwohl es mich sehr reizen würde die Region erneut zu besuchen. Aber Anja war in diesem Jahr ganz in der Nähe. Im Juni erkundete sie die Provence zur Lavendelblüte.

Anne´s Rucksack mit den ersten Badges ist auch mit in Cannes

Anne´s Rucksack mit den ersten Badges ist auch mit in Cannes

Tagestour nach Monaco

Tagestour nach Monaco

In der Boxengasse der Formel Eins in Monte Carlo

In der Boxengasse der Formel Eins in Monte Carlo

Rom – Italien

Im April 1999 stand Bella Italia auf unserem Klassenfahrt-Programm. Das Besondere an dieser waren die zusätzlichen Stopps auf der Hin- und Rückfahrt. Natürlich haben wir die gesamte Strecke wieder mit den Reisebus befahren. Auch auf dieser Fahrt ging es erst am Nachmittag los und der Busfahrer fuhr durch die Nacht. Wie auch schon auf den anderen Busfahrten, ein Auge habe ich nie zubekommen. Zu unbequem waren die Sitze für ein Schläfchen.

Verona

Bei der Anreise erreichten wir im frühen Morgen die Stadt Verona. Bei der kurzen Stippvisite kamen wir an der Arena von Verona vorbei und ein Stopp am berühmten Balkon von Shakespeare´s Julia durfte auch nicht fehlen. An dem kleinen Innenhof sind wir fast vorbeigelaufen, in der heutigen Zeit kaum vorstellbar. Meine Eltern waren vor zwei Jahren in Verona und konnten den Balkon vor lauter Selfiestangen kaum sehen. Und jeder Tourist schubberte an der kleinen Statue von Julia herum. Ein Romeo war da mit Sicherheit nicht dabei. Wir konnten ohne weitere Touristen Fotos von uns mit dem Innenhof machen. Nach einem kurzen Bummel über den historischen Marktplatz und entlang der Altstadt ging unsere Fahrt weiter in Richtung Rom.

Rom

Unsere Unterkunft war nicht direkt in der Innenstadt, sondern ein Country Club in Casalpalocco. In Chalets mit Doppelstockbetten wohnten wir im grünen und fuhren täglich mit den Bus ins Zentrum von Rom. Mit als erster Stopp war natürlich das Colosseum. Bei Nieselregen bestaunten wir die historischen Mauern und die Umgebung. Viele Sehenswürdigkeiten von Rom haben wir bei einer Stadtrundfahrt nur mit unserem Bus gesehen, wie etwa die Engelsbrücke mit der Engelsburg, die Caracalla Therme mit dem Meerjungfrauenspringbrunnen oder die römische Stadtmauer. Zum Glück gab es auch einen ganzen Tag, wo wir alleine Rom erkunden konnten. Auf unserer Tour durch die Stadt war der Trevi Brunnen Pflicht, inklusive Münze über die Schulter ins Brunnenwasser werfen. Auch die Spanische Treppe war ein Muss. Der Vatikan stand nicht wirklich auf unserer Bucketlist, dafür das Hard Rock Café von Rom. Natürlich wurde wieder ein T-Shirt käuflich erworben.

Sirmione am Gardasee

Auf unserer Rückreise hielt unser Reisebus in Sirmione am Gardasee. Wir hatten Zeit durch die kleinen Gassen zur Wasserburg zu laufen und zum Schluss ein echtes italienisches Eis mit Blick auf den Gardasee zu essen. Achja, ein Foto unter Palmen durfte natürlich auch nicht fehlen, bevor es wieder in den Bus in Richtung Heimat ging. Es lagen noch über 1100 km vor uns.

Gab es ein Wiedersehen mit Verona, Rom oder Sirmione?

Leider nein. In den Folgejahren hat es uns nicht in diese Richtung gezogen, warum auch immer. Aber wer weiß, vielleicht ändert sich das in der Zukunft. Reizen würde es uns schon.

Reisen in den 90ern: kaum Besucher an Julia´s Balkon in Verona

Reisen in den 90ern: kaum Besucher an Julia´s Balkon in Verona

Am Gardasee in Sirmione

Am Gardasee in Sirmione

Wie hat dich das Reisen in deiner Kindheit bis heute beeinflusst?

Die Reisen in meiner Kindheit sowie in meiner Teenagerzeit haben mich mit Sicherheit sehr geprägt. Ob mit meiner Familie oder auf Klassenfahrten fand ich es aufregend neues zu erkunden und zu entdecken. Es war ein Hochgefühl, wenn wir einen bestimmten Ort oder eine berühmte Sehenswürdigkeit besucht haben. Ich fand es faszinierend, wenn ich die Sprache um mich herum nicht verstand und ich mich mit Händen und Füßen verständigen musste und es dann auch tatsächlich klappte. All das habe ich mir bis heute beibehalten.

Auch wenn ich durch meinen Partner das ein oder andere Urlaubsresort kennen- und schätzen lernte, macht mich der Aufenthalt nach spätestens zwei Tagen darin wahnsinnig. Die künstliche Welt mit den hübschen Pools und alles was dazu gehört ist für einen Tag ganz nett aber dann ist auch gut und ich muss raus ins echte Leben und was erkunden. Diese Art von Reisen und Unterkunftsarten habe ich in meiner Kindheit und Teenagerzeit nie kennengelernt. Tagelanges erholen am Pool stresst mich, denn ich weiß ich verpasse da draußen etwas viel wichtigeres.

Welche Unterschiede stellst du fest zwischen Reisen damals und heute?

Fotografieren damals und heute

Mit der größte Unterschied ist die Fotografie. In meiner Kindheit haben meine Eltern oder Großeltern einige wenige Fotos gemacht. Papierfilme waren sehr teuer, vor allem Farbfilme. Daher sind die meisten Fotos in schwarz/weiß oder als Dia festgehalten. Es wurden auch nicht groß die Landschaften und ähnliche Szenerien fotografiert. Wenn dann war mindestends ein Familienmitglied mit abgebildet. Und das Foto musste auch beim ersten Ablichten sitzen, denn es wurden nicht x weitere Sicherheitsfotos gemacht, wie es heutzutage mit dem Smartphone üblich ist. Ein wenig vermisse ich die Vorfreude von damals, als man die entwickelten Bilder beim Fotografen abholte. Aber die Kommentare wie: „Schön viel blauer Himmel auf dem Foto aber die Füße sind abgeschnitten.“ oder „Du hast schon wieder die Augen zu!“ oder „Schade, leider verwackelt!“ vermisse ich weniger.

Meine Reisefotografie begann mit der einfachen Kompaktkamera ohne Zoom, die mir mein Papa für die Klassenfahrten geliehen hatte. Meine erste eigne Kamera war eine Canon IXUS II mit APS Filmen im Jahr 2000. Ich liebte die Panoramaeinstellung und die großen Papierfotos. Die kleine handliche Kamera war die perfekte Reisebegleitung. Durch meinen Freund kam ich mit der ersten Spiegelreflexkamera in Berührung. Blende, Verschlusszeit, Stativ und verschiedene Objektive waren mir völlig fremd bis dahin. Bis 2006 fotografierten wir mit der analogen Nikon F3. Ab 2007 wurde es mit der Nikon D80 bei mir digital. Seitdem ist von klein und handlich ein ganzer Fotorucksack dazu gekommen. Zusätzlich noch das Smartphone. Neben der Ausrüstung hat sich der fotografische Blick geschult. Die Motive haben sich geändert. Auch der Zeitaufwand rund um die Fotografie ist auf Reisen enorm gestiegen im Vergleich zu damals. Einerseits liebe ich das Fotografieren aber manchmal kommt in mir der Wunsch auf den Moment einfach so ohne Foto zu genießen. Das bewusste genießen und wahrnehmen fand damals häufiger statt als in der heutigen Zeit.

Palmen

Der ein oder andere wird schmunzeln aber wenn wir Palmen sehen, geht unser Herz auf. Wir beide lieben es in der Wärme zu sein und Regionen mit Palmen zu bereisen. Den ganzen Tag draußen sein und das Rascheln der großen Palmblätter hören und das egal wo auf der Welt, ob Kalifornien, Kenia, Malaysia, Florida oder Kreta. Hier gibt es keinen Unterschied zu unseren Reisen in den 90ern.

Von Jägern und Sammlern

Wo es auch keinen Unterschied zu damals gibt, ist meine notorische Sammelleidenschaft für Aufnäher für meinen selbstgenähten Rucksack aus Markisenstoff.  Ich muss von jedem bereisten Ort einen Aufnäher oder neudeutsch Badge haben. Mittlerweile ist der Rucksack so morsch und fast voll, dass ich ihn nur noch selten mitnehme. Zu den Aufnähern haben sich in den vergangenen 15 Jahren die Sticker für den Koffer ( so erklärt sich das Logo von uns) gesellt. Anja hat dafür im Laufe der Zeit angefangen Kühlschrankmagnete zu sammeln. Das hatte sie auf ihren damaligen Reisen auch nie getan. Was interessanterweise eingeschlafen ist und was wir nicht mehr nach den Klassenfahrten sammelten sind die Hard Rock Café T-Shirts. Dabei haben sie auf den Klassenreisen einen großen Anteil der Sightseeingroute eingenommen. Immer noch hoch im Kurs stehen Postkarten schreiben, da gibt es keinen Unterschied zu damals und heute.

Vorfreude

Ob die Urlaube mit meiner Familie an die Ostsee, die Reisen in den 90ern mit meinen Klassenkameraden oder bei den heutigen Reisen mit Anja oder meiner Familie, eines ist geblieben: eine riesige Vorfreude. Ich bastel zwar keinen Abreisskalender mehr, wo ich die Tage zählen kann, bis es endlich soweit ist und mittlerweile kann ich die Nacht bevor es auf große Reise geht durchschlafen. Aber dieses Kribbeln ist geblieben. Ich schätze mich sehr glücklich, dass der Zauber einer bevorstehenden Reise sich im Laufe der Jahre nicht verändert hat.

Planungen

Die digitale Welt ist bekanntlich Fluch und Segen zugleich. Bei meinen Reisen in den 90ern kaufte ich einen Reiseführer oder lieh mir diesen in der Stadtbiliothek aus. Heute schnell Google Streetview anwerfen und zusätzlich diverse Vergleichsprotale. Ehrlich gesagt, können diese vielen Tools hilfreich sein und den ein oder anderen Urlaub bestimmt auch retten aber auch der positive Überraschungseffekt wird zerstört. Bei den Reisen mit meinen Eltern ist nicht soviel vorher geplant und recherchiert worden. Alle Erlebnisse und Ausflüge wurden spontan vor Ort entschieden. Heute ist vieles durchgetaktet. Welche Sehenswürdigkeiten muss ich gesehen haben? Was mache ich bei schlechtem Wetter? Soll ich den Ausflug schon von daheim online buchen und 15 Prozent sparen? Ich muss gestehen, ich versuche mich von diesen ganzen Planungswahn ein wenig zu lösen und mehr Gelassenheit in die Reisen zu bekommen. Das ist für mein Geschmack der größte Unterschied zu den Reisen vor 25 Jahren.

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2 Comments

  • Krass, dass ihr jedes Jahr auf Klassenfahrt wart! Und wirklich tolle Ziele hattet ihr dabei auch noch. Wir waren nur alle drei Jahre auf Klassenfahrt.
    Palmen finde ich übrigens auch ganz toll. Ich hab sofort ein Grinsen im Gesicht, wenn ich die ersten Palmen sehe.

    Liebe Grüße Gina

    • Anne-Katrin sagt:

      Hallo liebe Gina,
      unsere Klassenfahrten waren schon erwas besonderes. Ich muss auch gestehen, ich kenne keinen in meinem Umfeld der ähnlich viele und weite Fahrten mit der Klasse unternommen hat. Wir hatten schon ziemliches Glück gehabt.
      LG Anne

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