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Kraniche beobachten: Zur Kranichrast nach Linum in Brandenburg

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Zuletzt geändert am 20. September 2020

Kraniche beobachten, während ihrer Rast in Deutschland, ist wirklich etwas Besonderes. Das solltest du einmal selbst erleben. Ich habe alle wichtigen Fakten zum Kranich für dich zusammengefasst und verrate dir, wo du gut Kraniche beobachten in Brandenburg kannst.

Fakten zum Kranich

  • Größe: Männchen 122 cm, Weibchen 112 cm
  • Spannweite: 240 cm
  • Gewicht: bis zu 5 kg
  • Brutzeit: Ende März bis Ende Mai

Warum schreien Kraniche im Flug?

Kraniche schreien nicht, sie stoßen trompetenartige Rufe aus. Wenn du einmal einen Kranich gehört hast, kannst du diesen einzigartigen Ruf immer von anderen Vögeln unterscheiden.

Die Rufe im Flug können unter anderem als Warnruf gedeutet werden, beispielweise wenn Gefahr herrscht. Es ist Teil der innerartlichen Kommunikation und für das Sozialverhalten von großer Bedeutung. Dabei handelt es sich um einen einmaligen lauten und kräftigen Ruf.

Kranichschrei im Flug

Kranichschrei im Flug

Was fressen Kraniche?

Eines steht fest, Kraniche sind keine Vegetarier, sondern Allessfresser. Sie picken sowohl gerne alles an Getreide wie zum Beispiel Mais oder Weizen. Fressen aber auch Hülsenfrüchte wie Erbsen oder sogar Kartoffeln, Eicheln oder Wurzeln auf. Auf dem Speiseplan von Kranichen stehen auch tierische Nahrung wie Insekten, Regenwürmer, Schnecken, Fische, Frösche oder Mäuse.
„Am liebsten fressen Kraniche auf den abgeernteten Maisfeldern“, erklärte mir einst Elke vom NABU bei einer geführten Tour zur Kranichrast in Linum.

Kraniche beim Äsen auf dem Feld

Kraniche beim Äsen auf dem Feld

Wo überwintern Kraniche?

Kraniche sind Zugvögel. Jährlich zieht es sie einmal im Frühjahr in den Norden und dann im Herbst wieder in den Süden. Überwintern werden Kraniche dann vorrangig im Südwesten von Spanien, in den Extremadura und Andalusien.

Da die Winter in Deutschland immer milder werden und seltener Schnee liegt, bleiben einige Kraniche mittlerweile auch oft zum Überwintern in Deutschland. Dabei harren Kraniche sehr gerne in Brandenburg oder im Raum Berlin aus. Dort konnte ich sie schon oft vereinzelt beobachten. Wenige Kranichpärchen sollen sich bereits im Tegeler Fließ angesiedelt haben.

Kranichspuren im Schnee

Kranichspuren im Schnee

Wie sehen Kraniche aus?

In Europa kommt nur eine Kranichart vor. Man spricht vom sogenannten Graukranich bzw. Grauer oder Eurasischer Kranich (Grus grus). Und der Name verrät schon viel über das Aussehen eines Kranichs. Das Gefieder ist grau.

Vom Halsansatz bis zum Kopf haben Alttiere einen schwarzweißen Hals. Zudem haben Kraniche am Kopf einen roten Scheitelfleck, eines ihrer wichtigsten Erkennungsmerkmale. Eine weitere wichtige Besonderheit ist der wuschelige Schwanz, auch „Schleppe“ genannt.

Die Jungvögel erkennt man übrigens an ihrem braunen Hals.

Kraniche haben eine Flügel Spannweite von bis zu 240 cm

Kraniche haben eine Flügel Spannweite von bis zu 240 cm

Welche Bedeutung haben Kraniche?

Sowohl in der griechischen Mythologie als auch in Japan gilt der Kranich symbolisch als „Vogel des Glücks“. Angeblich soll es Glück bringen, wenn man einen Kranich sieht. Wenn dem so wäre, könnte ich mich mit Glück überschütten.

Ich habe mich immer gefragt, warum Kraniche „Glücksbringer“ sein sollen. Dabei habe ich für mich eine ganz einfache Lösung gefunden. Kraniche machen einfach glücklich. Wenn du die riesigen Vögel mit ihren trompetenden Rufen, über dich hinweg ziehen siehst, dann macht das einfach glücklich. Wirklich wahr!

Kraniche gelten als Glücksbringer

Kraniche gelten als Glücksbringer

Wo sind Kraniche im Sommer?

Im Sommer zieht es die Kraniche in die skandinavischen Länder Finnland, Schweden und Norwegen. Es zieht sie aber auch nach Polen, sowie ins Baltikum und den europäischen Teil von Russland. Dort brüten sie und ziehen ihre Jungen auf. Danach geht es zum Überwintern wieder zurück in die wärmeren Gefilde. Kraniche kehren immer zu den gleichen Brutplätzen zurück.

Kraniche beobachten im Tegeler Fließ in Berlin

Kraniche beobachten im Tegeler Fließ in Berlin

Wann und wo kann man Kraniche beobachten?

Der Kranichzug beginnt bereits mit dem Sammeln der Tiere im September. Vor allem im Oktober ist dann die Kranichrast und „Hauptreisezeit“ der Vögel. Diese kann bis in den November hinein andauern.
In Deutschland kannst du in dieser Zeit wirklich gut Kraniche beobachten. Es gibt einige Gebiete in Brandenburg, wie zum Beispiel das Havelland, die Uckermark, den Barnim, die Lausitz oder auch das Oderbruch, wo du während der Kranichrast die stattlichen Vögel beobachten kannst.

Aber auch in anderen deutschen Regionen wie das Diepholzer Moor in Niedersachsen oder auf dem Darß in Mecklenburg – Vorpommern kannst du gut Kraniche beobachten. Ich selbst war schon zur Kranichrast in Zingst auf dem Darß und in Linum in Ostprignitz-Ruppin.

Kranichrast auf dem Darß

Kranichrast auf dem Darß

Kraniche beobachten in Brandenburg – Linum

Etwa 60 km entfernt von Berlin liegt der 750 Einwohner große Ort Linum. Dort befindet sich die Storchenschmiede Linum, eine Naturschutzstation des NABU. Neben vielen Informationen rund um die Kraniche gibt es in der Schmiede eine Ausstellung mit vielen beeindruckenden Bildern rund um den grauen Vogel.

Die Teichwiesen in Linum

In den Teichwiesen bei Linum legen die größten heimischen Vögel auf ihrem Weg von Norden in den Süden Rast ein. Ein Rundweg führt einmal um die Teichwiesen herum. An einigen Stellen gibt es kleine Holzhütten von denen du den abendlichen Einflug oder morgendlichen Ausflug beobachten kann.

Teichwiesen bei Linum

Teichwiesen bei Linum

Kraniche beobachten am Tag

Tagsüber treiben sich die Kraniche auf den abgemähten Feldern rund um Linum rum, um sich für den langen Flug mit Getreide zu stärken. Deshalb kannst du Kraniche auch am Tag gut rund um Linum herum beobachten – man muss nur wissen wo sie sich gerade aufhalten.

Kraniche im Landeanflug auf ein Feld

Kraniche im Landeanflug auf ein Feld

Kraniche beobachten am Abend

Am Abend fliegen die Kraniche zum Sonnenuntergang dann in ihr Nachtquartier in die Teichwiesen. Dort ruhen sie sich im Wasser stehend und dadurch vor Fressfeinden beschützt, aus.
Der abendliche Einflug zu ihren Schlafplätzen erfreut sich großer Beliebtheit. Entlang der Straße stehen zahlreiche Zuschauer und sehen sich das Spektakel der laut trompetenden Vögel an. Manche haben es sich sogar in Campingstühlen auf dem Feld mit einem Getränk bequem gemacht und schauen unentwegt nach oben.

Im Sekundentakt fliegt ein neuer Trupp an Kranichen in verschiedenen Formationen in die Teichwiesen. So ist der Himmel Minuten lang mit den fliegenden Zugvögeln bedeckt. Wenn sich dazu der Abendhimmel, nachdem die Sonne verschwunden ist, in ein schönes pinkes Lila verfärbt, kann dieses Naturphänomen nicht schöner sein.

Kraniche beobachten zum Sonnenuntergang

Kraniche beobachten zum Sonnenuntergang

Kraniche beim Einflug auf die Teichwiesen

Kraniche beim Einflug auf die Teichwiesen

Kraniche beobachten am Morgen

Am nächsten Morgen zum Sonnenaufgang verlassen die Kraniche ihre Schlaflager wieder. Einige von ihnen fliegen weiter in den Süden. Andere bleiben noch ein paar Tage länger, um sich für die Reise zu stärken.

Mein Tipp: Komme unbedingt am Morgen nach Linum. Anders als am Abend triffst du auf wesentlich weniger Menschen, natürlich ist ein frühes Aufstehen Voraussetzung. Dafür kannst du mit etwas Glück auch den Morgennebel, der dicht über den Wiesen bei Linum liegt, erleben. Und natürlich einen der schönsten Sonnenaufgänge des Jahres überhaupt betrachten.

Kraniche im Morgennebel

Kraniche im Morgennebel

Kraniche am Morgen beim Überflug

Kraniche am Morgen beim Überflug

Anreise nach Linum

Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Berlin nach Linum anzureisen gestaltet sich relativ schwierig. Vor allem am Wochenende, gibt es eigentlich gar keine Möglichkeit mit Zug und Bus dorthin zukommen. Es empfiehlt sich deswegen auf ein Auto umzusteigen. Falls du keines hast, nutze die Möglichkeit zum Carsharing. Vielleicht hat jemand in deinem Freundeskreis ein Auto und ihr macht diese Tour nach Linum zusammen. Ich verspreche dir, es wird ein unvergessliches Erlebnis.

Mit dem Auto fährst du über die Stadtautobahn Berlin A100 Richtung Hamburg. Dann über die A111, A10 und du nimmst schließlich auf der A24 die Abfahrt Kremmen. Auf der L170 (Nauener Chaussee) biegst du in Kremmen auf die L17 (Flatower Str.), die auf die L16 übergeht. Bleibe hierbei auf der Hauptstraße, diese führt dich direkt nach Linum.

Hinweise zur Kranich-Beobachtung

Um die majestätischen Tiere zu schützen, solltest du beim Beobachten von Kranichen dich auch an folgende Regeln halten. Fühlen sich Kraniche gestört, fliegen sie davon. Dafür müssen sie viel Energie aufwenden, die sie für den Weiterzug aufsparen könnten. Halte dich deshalb bitte an folgende Hinweise:

  • Kraniche sind sehr scheu.
  • Die Fluchtdistanz liegt bei etwa 300 m, komme ihnen also nicht näher.
  • Fotografiere niemals mit einem Blitzlicht, das erschreckt sie.
  • Benutze Bäume, Gebüsch oder andere Gehölze als Deckung für die Beobachtung.
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