Der Eberswalder Spritzkuchen ist ein zeitloser Klassiker aus luftigem Brandteig, der goldbraun ausgebacken und herrlich süß ist. Mit diesem Rezept kannst du die beliebten Kringel einfach selbst herstellen und den Geschmack von Eberswalder Tradition genießen.

Der leckere Eberswalder Spritzkuchen ist weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt.
Inhaltsverzeichnis
Ursprung vom Eberswalder Spritzkuchen Rezept
Im Februar 1832 erhielt der erst 25-jährige Konditor Gustav Louis Zietemann aus Berlin die offizielle Genehmigung, sich in Eberswalde niederzulassen und dort eine eigene Konditorei zu eröffnen. Bereits zwei Monate später, im April, nahm er sein Geschäft in Betrieb – und damit begann die Erfolgsgeschichte des später berühmt gewordenen Eberswalder Spritzkuchens.
Obwohl Zietemann den Brandteig nicht erfunden hatte, entwickelte er eine völlig neue Art der Zubereitung, die sein Gebäck einzigartig machte. Statt den Teig im Ofen zu backen, spritzte er ihn zunächst auf Backpapier und ließ die Kringel schwimmend in heißem Fett ausgebacken. Diese Methode verlieh den Spritzkuchen eine außergewöhnliche Leichtigkeit und Luftigkeit, die man bei herkömmlichen Brandteiggebäcken nicht kannte. Innerhalb kürzester Zeit erfreuten sich die Spritzkuchen in Eberswalde großer Beliebtheit und wurden zu einem Markenzeichen seiner Konditorei.
Ab 1842 erreichte Zietemanns Erfolg die Bahnsteige des Eberswalder Bahnhofs. Lehrlinge und Bäckergehilfen schrien mit lauter Stimme den „Eberswalder Spriiiiiiiiiiiiiiiitzkuchen“ über die Bahnsteige, und Reisende nahmen die Neuigkeit mit auf ihre Fahrten. Schon bald sprachen nicht nur die Menschen in Eberswalde über das Gebäck, sondern auch von Berlin bis Stettin war der Name Zietemann und sein Spritzkuchen in aller Munde.
Ab 1842 gelangte der Spritzkuchen auch über den Eberswalder Bahnhof zu weiterer Bekanntheit. Die neue Eisenbahnlinie zwischen Berlin und Stettin machte die Stadt zu einem lebhaften Knotenpunkt. Lehrlinge und Bäckergehilfen priesen lautstark den „Eberswalder Spriiiiiiiiiiiiiiiitzkuchen“ an, sodass das Gebäck bald weit über die Stadtgrenzen hinaus bekannt war. Reisende berichteten von der delikaten Süßspeise, und schon bald sprach man von ihr von Berlin bis Stettin.
Durch diesen Erfolg stieg Zietemann zu einem angesehenen Bürger Eberswaldes auf. Seine Konditorei wurde nicht nur zu einem Treffpunkt für Genießer, sondern auch zu einem Symbol für kulinarische Innovation im 19. Jahrhundert. Im Jahr 1868 schließlich verließ er Eberswalde und zog zu seinem ältesten Sohn nach Riga, wo er seinen Lebensabend verbrachte. Trotz seines Weggangs blieb der von ihm entwickelte Spritzkuchen ein fester Bestandteil der regionalen Backtradition und sicherte Zietemanns bleibendes Vermächtnis.
Nachdem sein jüngerer Sohn Hermann Julius die Konditorei übernommen hatte, führten später zwei seiner Enkel das Familiengeschäft weiter. Doch im April 1945, als der Krieg seine letzten Spuren in Eberswalde hinterließ, wurde die Konditorei zerstört, und die Familie musste schweren Herzens aufgeben. Der Spritzkuchen jedoch überstand diese Zeit und erlebte in den 1960er Jahren ein Comeback: Auch am Bahnhof konnte man den Spritzkuchen wieder kaufen.

Luftiger Eberswalder Spritzkuchen
Denkmal für den Eberswalder Spritzkuchen
Zum Gedenken an Gustav Zietemann und anlässlich der „175 Jahre Eberswalder Spritzkuchen“ wurde am 30. November 2007 eine Bronzestatue im Eberswalder Bahnhof aufgestellt.
Die Skulptur wurde vom Metallgestalter Eckhard Herrmann erschaffen und ist aus Kupfer gearbeitet. Sie zeigt einen jungen Bäckergehilfen – liebevoll „Spritzkuchenbursche“ genannt – mit einem Tablett voller Spritzkuchen. Damit wird nicht nur Zietemann gewürdigt, sondern auch die historische Bedeutung des Bahnhofs als der Ort, an dem der Spritzkuchen im 19. Jahrhundert besonders bekannt wurde.

Spritzkuchen Statue im Eberswalder Bahnhof

Rezept Eberswalder Spritzkuchen
Zutaten
- 200 ml Milch
- 100 g Butter
- 5 Eier
- 15 g Zucker
- 1 TL Vanillezucker
- 1 Prise Salz
- 150 g Mehl
- 1 EL Speisestärke
- Frittierfett oder Butterschmalz zum Frittieren
- 1 - 2 EL Wasser für die Glasur
- 200 g Puderzucker für die Glasur
- Backpapier
Zubereitung
Schritt 1
- Gib die 200 ml Milch zusammen mit der 100 g Butter, den 15 g Zucker, dem TL Vanillezucker und der Prise Salz in einen Topf, erhitze alles und lasse die Mischung kurz aufkochen. Siebe anschließend die 150 g Mehl und die EL Stärke, füge sie hinzu und rühre gründlich um. Erhitze den Teig bei niedriger Temperatur weiter, bis er sich zu einer geschlossenen Masse verbindet und sich ein heller Belag am Boden des Topfes zeigt.
Schritt 2
- Den Teig nun in eine Schüssel geben und die Eier nacheinander einzeln gründlich unterrühren. Am Ende sollte eine glatte, sehr geschmeidige Masse entstehen.
Schritt 3
- Das Backpapier in Rechtecke zuschneiden, die etwas kleiner als der Topf sind, in dem der Spritzkuchen ausgebacken wird. Den Brandteig anschließend in einen Spritzbeutel geben und Kringel auf die vorbereiteten Papierstücke aufspritzen.
Schritt 4
- Mit einem leicht angefeuchteten Zeigefinger den Ring von der Innenseite aus glatt nachziehen und vorsichtig etwas vergrößern.
Schritt 5
- Das Frittierfett in einem großen Topf erhitzen, bis sich am hineingehaltenen Holzlöffelstiel kleine Bläschen zeigen. Die Papierstücke dann umdrehen, über das heiße Fett halten und die Kringel vorsichtig ins Fett gleiten lassen.
Schritt 6
- Die Spritzkuchen je von beiden Seiten goldgelb ausbacken. Anschließend mit einer Schaumkelle herausheben und auf einem Kuchengitter abtropfen sowie vollständig abkühlen lassen.
Schritt 7
- Den Puderzucker mit dem Wasser zu einer zähflüssigen Glasur verrühren und die Spritzkuchen damit bestreichen. Anschließend trocknen lassen.
Über die Autorin / Autoren
Bereits seit 20 Jahren ist Berlin meine Wahlheimat und ich liebe die abwechslungsreichen Facetten der Stadt. Regelmäßig zieht es mich zusammen mit meiner Kamera aber auch in die nahe Umgebung oder in die Ferne!

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