Cincinnati war ein wichtiger Knotenpunkt der Underground Railroad, um Menschen auf ihrem Fluchtweg in die Freiheit unterstützten. Als Grenzstadt am Ohio River verband die Stadt gefährliche Fluchtrouten mit sicheren Zufluchtsorten und war Heimat zahlreicher Abolitionisten, die aktiv gegen die Sklaverei kämpften.

Was ist die Underground Railroad?

Die Underground Railroad spielte eine entscheidende Rolle im Widerstand gegen die Sklaverei in den USA. Und ermöglichte schätzungsweise Zehntausenden von Menschen den Weg in die Freiheit. Das Symbol „Eisenbahn“ steht dabei für die verdeckte und organisierte Unterstützung. Die notwendig war, um die Freiheit trotz aller Risiken zu erreichen.

Bei der Underground Railroad handelt es sich allerdings nicht um ein Eisenbahnsystem, sondern um ein geheimes Netzwerk aus Fluchtrouten und Verstecken im 19. Jahrhundert in den USA. Es half versklavten Afroamerikanern, aus den Südstaaten in die Nordstaaten oder nach Kanada zu fliehen, wo Sklaverei verboten war.

Das Netzwerk bestand aus Abolitionisten – Gegnern der Sklaverei, sowohl Weißen als auch Schwarzen – die ihre Häuser (sogenannte „Stationen“) als Unterschlupf anboten. Diese Helfer wurden „Schaffner” genannt und führten die Flüchtenden oft persönlich von einer Station zur nächsten. Die Routen waren oft verschlüsselt und gefährlich. Da Sklavenjäger versuchten, die Fluchten zu verhindern.

Tipp: Es gibt bei Amazon eine Serie The Underground Railroad“, welche auf dem gleichnamigen Roman von Colson Whitehead basiert. Erzählt wird die Geschichte der jungen Cora, die von einer Plantage im Süden der USA flieht. In der Serie wird die Underground Railroad als tatsächliches unterirdisches Zugnetz inszeniert, das Cora auf ihrer gefährlichen Reise Richtung Freiheit nutzt. Absolut empfehlenswert!

Die Underground Railroad ist keine Eisenbahnlinie im visuellen Sinne

Die Underground Railroad ist keine Eisenbahnlinie im visuellen Sinne

​Welche Rolle spielte Cincinnati bei der Underground Railroad?

Cincinnati spielte als Grenzstadt am Ohio River eine strategisch entscheidende Rolle in der Underground Railroad. Der Ohio River trennte die Südstaaten, in denen Sklaverei legal war, von den Nordstaaten, in denen sie verboten war. Flüchtlinge, die den gefährlichen Fluss überquerten, landeten oft zuerst in Cincinnati. Dort begann für viele der Weg in die Freiheit, weshalb die Stadt als wichtiger Zwischenstopp und Umschlagsplatz fungierte.

Die Stadt war ein Sammelpunkt für eine vielfältige Gruppe von Helfern: Weiße Abolitionisten, schwarze Fluchthelfer, Aktivisten, Kirchenmitglieder und private Haushalte organisierten gemeinsam ein Netzwerk aus sicheren Häusern, geheimen Verstecken und Transportmitteln. Dieses Netzwerk war essenziell. Um Flüchtlinge vor Sklavenfängern zu schützen, die in der Stadt aktiv Jagd machten. Cincinnati wurde dadurch zu einem gefährlichen, aber lebenswichtigen Ort für die Geflüchteten.

Darüber hinaus profitierten die Helfer von Cincinnati als größerem städtischem Zentrum durch vorhandene Infrastruktur und Möglichkeiten zur Verschleierung von Fluchtrouten. Die Nähe zu Eisenbahnlinien, Flussverbindungen und Straßen ermöglichte die Weiterleitung der Flüchtlinge in sichere Nordstaaten und letztlich nach Kanada.

Cincinnati spielte eine wichtige Rolle bei der Underground Railroad

Cincinnati spielte eine wichtige Rolle bei der Underground Railroad

Wichtige Persönlichkeiten der Underground Railroad

Mehrere Personen sind heute als besonders bekannte Akteure der Underground Railroad bekannt. Sie stammten sowohl aus der schwarzen Gemeinschaft als auch aus weißen Abolitionistenkreisen und wirkten als Organisatoren, Fluchthelfer oder öffentliche Stimmen gegen die Sklaverei.

Harriet Tubman

Harriet Tubman (1822–1913) war wohl die berühmteste „Schaffnerin“ der Underground Railroad. Geboren als Araminta Ross in Maryland, entkam sie der Sklaverei 1849 und nahm später den Namen Harriet an. Trotz einer schweren Kopfverletzung aus ihrer Kindheit führte, kehrte anschließend viele Male in den Süden zurück. Wo sie etwa 50 bis 70 versklavte Menschen erfolgreich in die Freiheit leitete. Wegen ihres Mutes und ihrer Führungsrolle erhielt sie den Beinamen „Moses“.

Ihre Missionen führte Harriet Tubman mit präziser Strategie und eiserner Disziplin durch. Sie startete bevorzugt im Winter bei längeren Nächten. Brach samstags auf – damit Suchanzeigen in Zeitungen erst montags erschienen – und bewegte sich nachts durch Sümpfe, Wälder und Felder, tagsüber in Verstecken wie Maisfeldern oder Scheunen, um Sklavenjäger zu entkommen.​

Sie nutzte das Quäker-Netzwerk mit geheimen Codes, Pflanzen als Wegweiser und trug immer eine Pistole zum Schutz bei sich, aber auch um Zögernde zu zwingen weiterzumachen, da ein Umkehren alle gefährdete. Tubman verließ sich auf ihre prophetischen Visionen, als Folge ihrer Kindheitsverletzung. Und verbot Gespräche während der Märsche, um Verrat zu vermeiden. So hat sie nie einen „Passagier“ verloren und führte insgesamt rund 70 Menschen sicher nach Kanada.

Während des Bürgerkriegs arbeitete sie zudem als Spionin, Krankenschwester und Militärführerin für die Union. Nach dem Krieg engagierte sie sich für Frauenrechte und soziale Gerechtigkeit, bis zu ihrem Tod 1913.

Tipp: Bei Netflix gibt es einen Film über Harriet Tubman, sehr sehenswert!

Levi Coffin und seine Frau Catharine Coffin

Levi Coffin war einer der zentralen weißen Abolitionisten der Underground Railroad und wird oft als ihr „Präsident“ bezeichnet. Als wohlhabender Quäker aus North Carolina zog er 1826 nach Indiana, wo er mit seiner Frau Catharine ein Haus in Newport (heute Fountain City) zu der berühmtesten „Station“ – der „Grand Central Station“ – ausbaute.

Coffin organisierte das Netzwerk in der Region, sammelte Spenden für Unterkunft, Kleidung und Transport. Führte Flüchtlinge persönlich nachts durch Wälder und Felder und koordinierte mit anderen Stationen. Sein Haus bot Platz für bis zu 17 Personen gleichzeitig und diente als sicherer Knotenpunkt auf dem Weg nach Ohio und Kanada. Er half schätzungsweise 3.000–3.500 Menschen zwischen 1820er und 1850er Jahren.

Trotz Razzien und Drohungen blieb er unermüdlich aktiv, reiste sogar in den Süden, um Geflüchtete zu „kaufen“ und freizulassen. Später zog er nach Cincinnati, wo er weiter Netzwerke aufbaute und die Anti-Sklaverei-Bewegung unterstützte. Seine Memoiren „Reminiscences of Levi Coffin“ dokumentieren detailliert diese Arbeit.

Weitere Personen

Frederick Douglass: Ehemaliger Sklave, der zu einem der bekanntesten Redner, Schriftsteller und Aktivisten der Abolitionisten Bewegung wurde. Er bot in seinem Haus in Rochester (New York) Zuflucht für Geflüchtete und unterstützte sie bei der Weiterreise nach Kanada.

William Still: Ein freigeborener Afroamerikaner aus Philadelphia, oft als „Vater der Underground Railroad“ bezeichnet. Er half Hunderten Geflüchteten, dokumentierte ihre Geschichten sorgfältig und schuf damit eine wichtige historische Quelle.

John Brown: Radikaler Abolitionist, der zeitweise mit der Underground Railroad verbunden war und später einen bewaffneten Aufstand gegen die Sklaverei plante. Nach seiner Hinrichtung wurde er von vielen Gegnern der Sklaverei als Märtyrer gesehen.

Thomas Garrett: Quäker aus Delaware, der offen eine Station führte und Harriet Tubman unterstützte. Trotz einer hohen Strafe von 4.500 Dollar half er 2.700 Menschen und opferte sein Vermögen.

John Rankin: Presbyterianischer Pfarrer in Ohio, der mit einer Laterne am Ohio River Geflüchteten signalisierte. Sein Haus diente als sichere Station, trotz wiederholter Razzien.

National Underground Railroad Freedom Center in Cincinnati

Die Idee für das Freedom Center entstand in den 1990er-Jahren. Das Museum wurde nach rund zehn Jahren Planung und Bau 2004 eröffnet. Das Gebäude steht nur wenige Schritte vom Ufer des Ohio River entfernt – jener historischen Grenze zwischen den Sklavenstaaten des Südens und den freien Staaten des Nordens. Über die Tausende Menschen auf der Underground Railroad flohen. Cincinnati war ein wichtiger Knotenpunkt dieses Fluchtnetzwerks. Und genau an dieser „Grenzlinie“ setzt das Museum bis heute ein sichtbares Zeichen.

Architektur

Das mehrfach preisgekrönte Museumsgebäude beeindruckt durch seine Architektur aus Travertinstein und Kupfer, sowie durch seine wellenförmigen Linien, welche  Reisefelder und den Ohio River symbolisieren.

Auf dem Dach beziehungsweise der obersten Terrasse des National Underground Railroad Freedom Center brennt eine ewige Flamme, die „Freedom’s Eternal Flame“ genannt wird. Sie ist so positioniert, dass sie über den Ohio River in Richtung Kentucky leuchtet – wie ein Leuchtfeuer an jener Grenze, die für Menschen auf der Flucht einst den Übergang von Versklavung zu Freiheit markierte.

Symbolisch erinnert die Flamme an die Kerzen, die früher in den Fenstern der „safe houses“ standen und den Freedom Seekers signalisierten: Hier findest du Schutz.

Zentralle Ausstellungen

  • In This Place: Neue Galerie (seit 2025) zur besonderen Rolle des Standorts am Ohio River. Sie zeigt mit Objekten, Fotos und einem interaktiven „Fluss‑Tisch“, warum Cincinnati als Grenzstadt für Freedom Seekers so entscheidend war.
  • The Slave Pen: Besonders eindrucksvoll ist das Herzstück im Museum: Ein erhaltenes und rekonstruiertes „Slave Pen“ – ein zweistöckiges Holzgebäude aus Kentucky, in dem versklavte Menschen vor ihrem Verkauf gefangen gehalten wurden. Dieser authentische Ort steht im Zentrum des Museums.
  • From Slavery to Freedom: Große Ausstellung über drei Jahrhunderte Sklaverei in den Amerikas bis zur Abschaffung nach dem Bürgerkrieg – mit vielen Objekten, Medien und Inszenierungen.
  • ESCAPE! Freedom Seekers and the Underground Railroad: Interaktive Ausstellung, die Fluchtszenarien nachstellt und Besucher Entscheidungen aus Sicht der Freedom Seekers treffen lässt.

Historic Interpreters

Im National Underground Railroad Freedom Center arbeiten sogenannte „historic interpreters“ und Docents, die in historischen Kostümen auftreten und Figuren aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg verkörpern oder aus deren Perspektive erzählen. Diese Personen bewegen sich in den Ausstellungsbereichen und stehen für Fragen bereit – etwa zu Alltag, Risiken und Entscheidungen von Schwarzen Cincinnatians in der Antebellum‑Zeit oder zur Arbeit der Abolitionisten in der Region.

Die Interpreters greifen dabei auf historische Quellen und Biografien zurück und führen Gespräche im Stil eines lebendigen Rollenspiels, so dass Besucher konkrete Fragen stellen können – etwa „Wie hast du von der Flucht erfahren?“ oder „Welche Gefahr drohte dir hier in Cincinnati?“ – und Antworten in der Ich‑Perspektive erhalten.

Diese Art der Interaktivität habe ich bisher in noch keinem der von mir besuchten Museum, wie das Civil Rights Museum in Memphis oder das Civil Rights Museum Mississippi in Jackson gesehen. Es macht die Inhalte der Dauerausstellungen emotional zugänglicher, weil es Gesichter, Stimmen und persönliche Geschichten zu den Objekten und Texten liefert und das Museumserlebnis besonders für Schulklassen und jüngere Besucher interaktiv und dialogorientiert gestaltet.

Eine der vielen Historic Interpreters im Museum

Eine der vielen Historic Interpreters im Museum

The Slave Pen

The Slave Pen

Freedom’s Eternal Flame auf dem Dach des Museums

Freedom’s Eternal Flame auf dem Dach des Museums

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Über die Autorin / Autoren

Bereits seit 20 Jahren ist Berlin meine Wahlheimat und ich liebe die abwechslungsreichen Facetten der Stadt. Regelmäßig zieht es mich zusammen mit meiner Kamera aber auch in die nahe Umgebung oder in die Ferne!