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Herbst auf der Halbinsel Fischland-Darss-Zingst

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Die Halbinsel in der Ostsee ist vielen gar nicht so sehr ein Begriff, oder? Dabei bietet sie gerade jetzt in der Spätsommer- und Herbstzeit tolle Erlebnisse für Radfahrer, Wanderer, Spaziergänger und Naturfotografen. Meine 5 besten Tipps habe ich hier zusammengestellt.

1. Mit dem Fahrrad zum Leuchtturm „Darßer Ort“

Wer sein eigenes Radl nicht mitbringen kann, der leiht sich einfach vor Ort einen Drahtesel aus, z.B. direkt in Prerow. Das Ostseebad auf dem Darß ist auch mein Start- und Zielpunkt für meine heutige Radtour. Der Weg führt durch Prerow direkt in den Darßwald. Das riesige Waldstück im Herzen der Halbinsel gehört zum Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Die Buchenblätter färben den Wald in gold und orange. Gerade am Morgen duftet es nach würzigen Kiefernnadeln und nach Pilzen im Moos. Eichhörnchen flitzen durch die Wipfel und ein Specht sucht hämmernd nach Käfern. Nur das leise klimpern meiner Klingel, wenn ich über eine Wurzel radel, scheint dieses Paradies zu stören.

Aus dem Wald an die Ostsee

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Aus dem Wald an die Ostsee

Windflüchter am Darsser Ort

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Windflüchter am Darsser Ort

Leuchtturm Darsser Ort

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Leuchtturm Darsser Ort

Aus dem Wald an die Ostsee

Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass am Ende des Waldes die Ostsee auf mich wartet. Und nicht nur das! Die Spitze vom Leuchtturm Darßer Ort guckt schon durch´s Blätterdach. Am Natureum stelle ich mein Rad ab und laufe am Leuchtturm direkt an die Ostsee. Ich entdecke die vom Wind und Wetter gezeichneten Wahrzeichen der Halbinsel- Windflüchter! Die knorrigen und arg mitgenommenen Nadelbäume sind nicht nur bei mir ein beliebtes Fotomotiv. Mein Strandspaziergang führt mich auf einen angelegten Rundweg durch die Dünenlandschaft und vorbei der vorgelagerten Sandbänke.

Windflüchter und Leuchtturm

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Windflüchter und Leuchtturm

Auf der Suche nach dem nächsten Fotomotiv

© Anja Müller – GoOnTravel.de: Auf der Suche nach dem nächsten Fotomotiv

Dünenlandschaft am Darsser Ort

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Dünenlandschaft am Darsser Ort

einfach dem Weg folgen

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: einfach dem Weg folgen

durch die Dünenlandschaft

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: durch die Dünenlandschaft

2. Schlendern durch Ahrenshoop

Ahrenshoop trägt den Beinamen das Künstlerdorf. Ob Glasbläserkunst, Töpferei oder Malerei. Alle schwärmen vom besonderem Licht des Ortes. Gerade das Herbstlicht hat eine besondere Magie. Ich ließ mich inspirieren und habe am Strand von Ahrenshoop den Zauber in Langzeitbelichtungen eingefangen. Die steinige Steilküste bietet unzählige Motive. Im Ort selbst gibt es auch überall Fotomöglichkeiten. Vor allem an den bunt verzierten Holztüren kann ich nicht einfach so vorbei laufen.

das wohl beliebteste Motiv in Ahrendshoop

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: das wohl beliebteste Motiv in Ahrendshoop

Schilfrohrhäuser in Ahrendshoop

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Schilfrohrhäuser in Ahrendshop

Steilküste von Ahrendshoop

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Steilküste von Ahrendshoop

Wer mag hier nicht sofort einziehen?

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Wer mag hier nicht sofort einziehen?

3. Wustrow´s Bunker zur Dämmerung

Neben Ahrenshoop liegt auf dem Fischland der Ort Wustrow. Von der Seebrücke sind die ins Meer gerutschten Bunker der ehemaligen Beobachtungsstationen der DDR bereits schon zu erahnen. Durch die Küstendynamik verändern die tonnenschweren Zeitzeugen stetig ihre Lage an Land so wie im Wasser.
Gerade an einem eher grauen und trüben Herbstnachmittag ist der Spaziergang entlang der Wasserkante ein fast schon mystisches Erlebnis. In Ölzeug stehen viele Angler am Flutsaum und hoffen auf einen guten Fang. Die alten Bunker mit den bunten Graffitis bilden einen schönen Kontrast. Alle Fotofreunde können sich hier auch wieder über schöne Motive für Langzeitbelichtungen freuen. Ich hab direkt mein Stativ ausgepackt und losgelegt.

Am Strand von Wustrow

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Am Strand von Wustrow

Bunker am Wustrower Strand

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Bunker am Wustrower Strand

4. Sonnenuntergang am Bodden

Ein Tag am Meer darf natürlich nicht ohne Sonnenuntergang zu Ende gehen. Ein echter Geheimtipp ist der Sonnenuntergang über dem Bodden zwischen Zingst und Bresewitz. Von der Meiningenbrücke geht der Blick in den Bodstedter Bodden auf der einen Seite und auf der anderen ins Große Wiek.

Vor allem Vogelbeobachter versammeln sich zu den letzten Stunden des Tages an dieser Brücke. Zur Abenddämmerung können die großen Kranichschwärme beobachtet werden, wie sie von den Feldern des angrenzenden Festlandes zu ihren geschützten Schlafstellen in den Sundischen Wiesen ziehen. Zum Sonnenuntergang schippern auch noch die Ausflugsraddampfer über die Boddengewässer und geben ein tolles Panoramabild.

Zur Meiningenbrücke bin ich vom Ostseebad Zingst mit dem Auto gefahren. Lieber etwas früher als zu spät los fahren, denn am Straßenrand gibt es nicht allzu viele Parkmöglichkeiten.

Sonnenuntergang am Bodden

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Sonnenuntergang am Bodden

Dixiestimmung am Abend

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Dixiestimmung zum Abend

Vogelflug zur Dämmerung

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Vogelflug zur Dämmerung

Sonnenuntergang über dem Darß

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Sonnenuntergang über dem Darß

5. Abendpirsch in Pramort

Mein absoluter Höhepunkt ist der Besuch der Sundischen Wiesen und der östliche Punkt Pramort. Täglich dürfen nur eine bestimmte Anzahl an Besuchern diesen Teil des Nationalparks Vorpommersche Boddenlandschaft betreten. Mit dem Auto geht es von Zingst zu einen Parkplatz von wo es entweder nur zu Fuß oder mit dem Rad weitergeht. Wer keine Räder dabei hat, kann sich am Parkplatz für ca. 3,00 € ein einfaches Rad ausleihen. Ich würde mich immer für ein Rad entscheiden, denn der Weg bis nach Pramort ist ca. 7,5 km lang. Bei der Nationalparkwacht am Infohäuschen gibt es die täglich limitierte Nationalpark-Card.

In den Sundischen Wiesen

Mit der Fotoausrüstung radel ich auf dem gut geteerten Weg durch die Sundischen Wiesen. In den Sumpfgebieten und angrenzenden Heideflächen haben viele unterschiedliche Tiere, vor allem geschützte Vogelarten, ihren Lebensraum. Im hohen Schilf zwitschert und piepst es die ganze Zeit. Auf den Weg nach Pramort entdecke ich sogar einen Fuchs auf Mäusejagd. Er ließ sich von meiner Anwesenheit überhaupt nicht stören. Vom Radweg aus konnte ich ihn ohne Probleme beobachten und fotografieren.

Rotfuchs auf der Halbinsel Zingst

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Rotfuchs auf der Halbinsel Zingst

Rotfuchs bei der Mäusejagd

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Rotfuchs bei der Mäusejagd

Von Kranichen und Rothirschen

Ungefähr eine Stunde vor Sonnenuntergang erreiche ich die Schutzhütte von Pramort. Zusammen mit weiteren Interessierten packen wir Kamera, Objektive und Ferngläser aus. Wir versuchen so leise wie möglich zu sein und laute Geräusche zu vermeiden. Kraniche sind sehr schreckhaft. Zu uns Besuchern gesellen sich auch Mitarbeiter des Nationalparks. Wer keine großen Teleobjektive oder Ferngläser mitnehmen möchte, der kann vielleicht auch durch das Spektiv der Nationalpark-Ranger schauen. Neben ihren Zählungen und Aufzeichnungen geben sie wertvolle Tipps zur Beobachtung. Aber auch ohne Fernglas ist der Ausblick sehr beeindruckend.

Die Kraniche verbringen die Nacht in den Gewässern rund um die ehemalige Insel Großer Werder. Nicht nur die Kraniche lassen sich von hier beobachten, sondern auch die mächtigen Rothirsche. In den Wiesen und Wäldern sind die Brunftrufe von Anfang September bis Ende Oktober zu hören und mit etwas Glück sogar zu beobachten. Hier am östlichen Zipfel der Halbinsel Zingst kann ich tatsächlich viele Rothirsche beobachten wie sie sich ihren Weg durch das Bodden- und Ostseewasser suchen. Für alle Tier- und Naturfreunde und alle die es werden wollen ist das mit Sicherheit ein faszinierendes Erlebnis.

Wenn aus der Ferne das charakteristische Trompeten am Himmel ertönt, dann ist es soweit und tausende Kraniche setzen in der Abenddämmerung zur Landung in den flachen Gewässern an. Die ganze Luft scheint zu flirren. Ein unglaubliches Gefühl, dass bis in den Brustkorb geht.

Rotwild in Pramort

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Rotwild in Pramort

Kraniche landen im Ostseewasser

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Kraniche landen im Ostseewasser

Kraniche und Rothirsche in der Dämmerung

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Kraniche und Rothirsche in der Dämmerung

Rothirsch vor Pramort

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Rothirsch vor Pramort

Rückweg von der Halbinsel Zingst

Kurz bevor ich nichts mehr sehen kann packe ich meine Sachen und schwinge mich auf mein klappriges Rad. Das Dynamo rattert und produziert einen kleinen Lichtkegel auf dem dunklen Weg durch die Sundischen Wiesen. Die Luft ist feucht und die ersten Sterne glitzern am Himmelszelt, als ich fast alleine die knapp 7 km zurück radle. Der Rückweg ist nichts für Angsthasen. Die Geräusche aus den Sümpfen klingen gewaltig für ungewohnte Großstadtohren. Aber der Ausflug ist es wert und die Nationalparkwacht wartet am Infohäuschen bis auch der letzte Besucher seinen Weg aus diesem wilden Zipfel der Halbinsel gefunden hat.

Kranichflug zum Sonnenuntergang

© Anne-Katrin Gerner – GoOnTravel.de: Kranichflug zum Sonnenuntergang

im Fotoeinatz

© Anja Müller – GoOnTravel.de: im Fotoeinsatz

Diesen Beitrag widme ich meinen Großeltern Joachim und Helga. Viele Jahre sind sie immer im September nach Prerow gefahren, um die Brunft der Rothirsche zu erleben und die Kraniche zu beobachten. Ganz viele Tipps, von denen ich hier schreibe, sind von ihnen und aus ihren Erlebnissen entstanden. Auf Landkarten haben sie mir vermerkt, wo sie Rothirsche und Kraniche beobachtet haben. Aus diesem Wissen konnte ich bei meiner Reise schöpfen.

4 Comments

  • Hallo Anne,

    eine wunderbarer Bericht mit ebenso wunderschönen Fotos! Wie schade, dass wir damals unseren Urlaub auf Hiddensee abbrechen mussten und nicht mehr in den Genuss dieser tollen Landschaft gekommen sind.

    Liebe Grüße

    Alex

    • Anne-Katrin Anne-Katrin sagt:

      Hallo Alex,

      vielen Dank. Ihr kommt bestimmt irgendwann nochmal in diese Ecke von Deutschland. Und dann hoffentlich ohne vorzeitig die Zelte abbrechen zu müssen.
      LG Anne

  • Ein wundervoller Reisebericht über ein so zauberhaftes Fleckchen Erde .
    Deine Bilder von den Rothirschen und dem Fuchs auf Streifzug haben mich besonders gepackt.

    Liebe Grüße, Clarissa

    • Anne-Katrin Anne-Katrin sagt:

      Hallo Clarissa,

      vielen lieben Dank. Das waren auch sehr schöne Momente, die noch lange in Erinnerung bleiben. Ich war bestimmt nicht das letzte Mal auf dem Darß.

      Liebe Grüße,
      Anne

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