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Selbstständig als digitale Nomaden von überall auf der Welt arbeiten

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Digitale Nomaden – diese Art Lebensform wird immer beliebter, egal ob in der jungen oder älteren Generation. Doch was sind digitale Nomaden überhaupt? Ich habe Barbara Riedel von Barbaralicious, die schon immer als Selbstständige gearbeitet hat, zum Interview in Berlin getroffen. Erfahre hier mehr zum Lebensstil der digitale Nomaden.

Was sind digitale Nomaden, was kann man unter diesem Lebensstil vorstellen?

Digitale Nomaden arbeiten ortsunabhängig. In den meisten Fällen ist das online, daher auch das Wort digital. Allerdings gibt es auch digitale Nomaden, die nicht nur am Computer arbeiten, sondern zum Beispiel auch vor Ort Sprachunterricht geben oder als Wassersport-Instructor Geld verdienen.

Ich selbst habe immer mal wieder ein paar offline Projekte: das können bezahlte Pressereisen sein oder Kurse, die ich vor Ort gebe. Meine Hauptbeschäftigungen jedoch – meinen Reiseblog und die Einnahmen, die ich darüber generiere, sowie meine Arbeit als freiberufliche Übersetzerin und Texterin – kann ich online ausüben. So sind wir digitale Nomaden nicht an einen Ort gebunden und können von überall auf der Welt arbeiten.

Hierve el Agua in Mexiko

Hierve el Agua in Mexiko

Für welche Berufsgruppen eignet sich dieser Lebensstil?

Der Lebensstil ist für alle, die am Computer arbeiten und theoretisch nicht vor Ort sein müssen. Das sind mehr Berufe als man im ersten Moment vielleicht denkt. Denn auch Meetings und Telefonate können heutzutage über das Internet stattfinden. Prinzipiell sind aber natürlich jegliche online arbeitenden Freelancer dafür prädestiniert. Programmierer, Webdesigner, Marketingexperten, … immer mehr Menschen packen ihr Büro in den Rucksack und nutzen die Ortsunabhängigkeit aus.

Ist man als digitaler Nomade ein Einzelkämpfer? Vermisst du manchmal Teamwork oder „echte“ tiefere soziale Kontakte?

Ich glaube, ich selbst war schon immer eher ein Einzelkämpfer. Teamwork auf der Arbeit habe ich nie erlebt, da ich noch nie angestellt war. Die Jobs auf 400 Euro Basis, die ich zu Schulzeiten gemacht habe, haben mir nicht wirklich Lust auf eine Anstellung gemacht. Da ich mich schon mit 21 selbstständig gemacht habe, waren meine Erfahrung allerdings auf Kellner- und Kassiererjobs beschränkt.

Wer eine Office-Atmosphäre sucht, kann aber sein mobiles Büro problemlos in einem Coworking Space aufschlagen. Dort kann man sich tage- oder monatsweise einmieten, sitzt nicht alleine im Home Office, kann sich austauschen, helfen oder einfach gemeinsam zum Mittagessen gehen.

Das Fehlen sozialer Kontakte fiel mir nach etwa zwei Jahren auf Reisen stark auf. Seit dem wähle ich gezielt Orte mit vielen Coworking Spaces, an denen sich viele andere digitale Nomaden aufhalten, und bleibe länger an einem Ort. Dadurch hat sich das Problem fast in Luft aufgelöst.

Arbeiten an den schönsten Orten der Welte: Barbara am Starnd von San Andrés in Kolumbien

Arbeiten an den schönsten Orten der Welte: Barbara am Starnd von San Andrés in Kolumbien

Welche Länder eignen sich besonders für digitale Nomaden?

Ich glaube, das hängt sehr von den persönlichen Vorlieben und Bedürfnissen ab. Welches Budget hat man? Wie gut muss das Internet sein? Welches Klima ist geeignet? Was ist sonst noch wichtig?

Ich zum Beispiel liebe es heiß, brauche gutes Internet und bin eher low budget unterwegs. Da sind die bekannten Hotspots Bali und Chiang Mai in Thailand ideal. Südostasien ist generell sehr beliebt bei digitalen Nomaden. Aber auch in Europa liegen manche Länder mehr im Trend als andere: Spanien, Rumänien und Ungarn, aber auch Deutschland stehen ganz oben auf der Liste der Hotspots.

Barbara beim Arbeiten auf Bali

Barbara beim Arbeiten auf Bali

Welche Länder würdest du gerne mal besuchen und warum? Bzw. in welchen Ländern würdest du gerne einmal leben?

Es wäre einfacher zu sagen, wo ich NICHT hin möchte! Auf meiner Reiseliste stehen Kuba, Island und Ecuador ganz weit oben. Aber auch Myanmar und die Philippinen. Und leben möchte ich gerne mal eine Weile in New York, Singapur, Jerusalem und Rio de Janeiro. Das würde mir zumindest spontan einfallen. Es gibt aber noch zig andere Orte …

Mit wie viel Gepäck reist du? Was muss immer unbedingt mit, worauf kann du absolut verzichten?

Ich hatte jetzt lange zwei Taschen in Handgepäckgröße, also mit 35-40l. Einen Trolley und einen Rucksack. Den Trolley habe ich dann als Checkin-Gepäck aufgegeben. Aktuell habe ich den kleinen Koffer aber durch einen größeren Trolley von Osprey mit 60l ersetzt. Das ist schon ganz schön viel, aber ich will nicht mehr wie ein Backpacker mit drei T-Shirts und zwei Shorts reisen, sondern auch verschiedene Outfits dabei haben und mich mal schick machen können.

Absolut unverzichtbar sind aber eher meine technischen Gegenstände – mein MacBook, meine Kamera, meine Powerbank, mein Handy – sowie meine Kreditkarten und mein Pass. Alles andere kann ich unterwegs besorgen und ist daher ersetzbar. Obwohl ich zugeben muss, dass fast alles, was ich so auf Reisen dabei habe, mit Erinnerungen verbunden ist. Die sind natürlich nicht ersetzbar.

Barbara mit ihrem Reisegepäck

Auf deinen Reisen entscheidest du dich auch manchmal für „Housesitting“. Wie müssen wir uns das vorstellen? Sucht das Haus das Reiseziel für dich aus oder suchst du gezielt im Reiseziel nach dieser „Unterkunftsmöglichkeit“?

Ich mache beides. Ich schaue gezielt an den Orten, die ich in naher Zukunft bereisen werde, nach Housesitting-Möglichkeiten. Das funktioniert aber eher weniger gut, wenn ich ehrlich sein soll. Meistens sind es eher die zufälligen Gelegenheiten.

Wenn ich einen Housesit sehe und denke „Oh, in dem Zeitraum habe ich noch nichts geplant!“ und mich blind bewerbe, dann klappt es eher. Prinzipiell liebe ich Housesitting, weil man wirklich wie ein Local lebt und ich es liebe, wenigstens kurzzeitig wieder mal ein Haustier zu haben. Das fehlt mir schon etwas auf meinen vielen Reisen.

Du hast mal erwähnt, dass deine große Liebe Kizomba ist. Was ist das genau? Wie bist du dazu gekommen?

Ich glaube, Kizomba hat mich gefunden. Das ist ein Tanz aus Angola, von dem viele sagen, dass er ein bisschen aussieht wie Tango Argentino. Ich war in Chiang Mai, als eine Freundin (auch digitale Nomadin) fragte, ob ich nicht mit ihr zu einer Salsaparty gehen wolle. Eigentlich hatte ich keine Lust, weil ich Salsa nicht sonderlich mag, sagte aber doch zu. Was ich nicht wusste, war, dass dort nicht nur Salsa, sondern auch Bachata und eben Kizomba getanzt wurde.

Tja, und das war dann einfach Liebe auf den ersten Blick. Schnell wurde ich in die Kizombawelt gezogen und bin auf jede Kizombaparty gegangen, die ich finden konnte. Mittlerweile habe ich in 13 Ländern getanzt, gehe auf Festivals und plane auch meine Reisen danach. Was ich erst vor einiger Zeit verstanden habe: Kizomba gibt mir Nähe zu Menschen und lässt mich in unfassbar schneller Zeit Freundschaften schließen.

Wie stellst du dir deine Zukunft und die der digitalen Nomaden vor?

Meine Zukunft ist für mich ziemlich klar: Ich werde ein paar kleine Apartments oder Häuschen haben, die meine Home Bases sein werden. Zwischen denen werde ich pendeln und sie als Ausgangspunkt für Reisen nutzen. Klar, das wird im Laufe der Zeit sicher weniger. Aber ganz werde ich wohl nicht aufhören zu reisen.

Und die Zukunft der digitalen Nomaden? Wir werden immer mehr. Da mittlerweile auch viele Unternehmen anbieten, remote zu arbeiten, ist das Wachstum jetzt schon unfassbar schnell. Ich glaube außerdem, dass das irgendwann ganz normal wird. Noch sind wir die modernen Hippies, die schief angeschaut werden. Aber ich denke, dass da viel passieren wird und es irgendwann ganz normal ist, dass man von überall arbeiten kann. Dann ist nur die Frage, ob man auf Reisen arbeitet oder bewusst eine bzw. mehrere Home Bases aufbaut.

Vielen Dank an Barbara für das Interview! Hast du nun auch Lust auf das Leben als digitaler Nomade?

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